LANGLEBIGKEIT – eine neue Herausforderung in der Altersvorsorge
Sehr geehrte Damen und Herren,
In den letzten Jahren ging es hin und her, wie das Thema Altersvorsorgeideen durch unsere jeweilige Bundesregierung geplant war.
Im nachfolgenden Mediathek-Beitrag „Die Rentenkramerin“ mit Helmut Schleich wird das Thema kurz und humoristisch zusammengefasst.
Sehen Sie sich das Video hier gerne an, es ist empfehlenswert.
Tiefer ins Detail geht nachfolgender Kommentar von Sven Ebert vom 24.11.2025. Sven Ebert ist Senior Research Analyst beim Flossbach von Storch RESEARCH INSTITUTE.
Ehemals tätig am Karlsruher Institut für Technologie und beim Rückversicherer SCOR. Promovierter Mathematiker und Aktuar DAV. Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Köln und an der Deutschen Aktuar-Akademie.
Der Kommentar wurde uns freundlicherweise vom Flossbach von Storch RESEARCH INSTITUTE zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken.
Zusammenfassung
Die steigende Lebenserwartung stellt die Altersvorsorge vor neue Herausforderungen. Private Vorsorge wird unverzichtbar, da die gesetzliche Rente allein nicht mehr ausreichen wird. Um langfristig ausreichende Erträge zu erzielen, führt kein Weg daran vorbei, Kapitalmarktrisiken einzugehen. Eine breite Diversifikation hilft, einzelne Fehleinschätzungen abzufedern. In der Rentenphase kommt es darauf an, die eigene Langlebigkeit finanziell abzusichern – und dennoch weiter am Kapitalmarkt investiert zu bleiben, um die Kaufkraft der Ersparnisse zu erhalten.

1. Ein längeres Leben erfordert mehr Rendite
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die Lebenserwartung für Menschen im Rentenalter um 50 % gestiegen. Ein 65-jähriger Deutscher darf heute auf 25 weitere Lebensjahre hoffen. Da die Geburtenraten niedrig und die Finanzierungsmöglichkeiten durch Schulden und Beitragserhöhungen begrenzt sind, wird die gesetzliche Umlage diese Langlebigkeit nicht allein versichern können. Dazu schränken Inflation und niedrige reale Renditen die Möglichkeiten für die kapitalgedeckte Altersvorsorge ein, da sie den Zinseszinseffekt schwächen. Eine Verzinsung von jährlich vier Prozent liefert über 25 Jahre rund 60 Prozent mehr Rendite als eine Verzinsung von zwei Prozent. Und eine lebenslange Rente fällt bei vier Prozent Zinsen um rund 20 Prozent höher aus als bei einer Verzinsung von nur zwei Prozent. Deshalb erfordert ein längeres Leben mehr private Vorsorge mit ausreichender Rendite. Junge Menschen brauchen diese, um ausreichend Vermögen fürs Alter aufzubauen. Alte Menschen benötigen sie, damit ihre Ersparnisse finanzielle Unabhängigkeit bis ans Lebensende sichern können.
2. Rendite und Flexibilität sind Trumpf
Die Notwendigkeit privater Vorsorge ist den meisten Deutschen bewusst. Laut einer Studie der Deutschen Bank erwarten rund 80 % der Befragten, dass die gesetzliche Rente künftig nur noch eine Grundsicherung bieten wird. Ebenso viele sind der Ansicht, dass das Rentensystem auf lange Sicht nicht mehr verlässlich funktionieren wird. Vor allem junge Menschen investieren daher zunehmend in Aktien. Laut Deutschem Aktieninstitut besitzen rund 3,7 Millionen Deutsche unter 40 Jahren Aktien. Ihre Zahl hat sich damit in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Dazu schätzen es Sparer, wenn sie auch während der Ansparphase auf ihre Ersparnisse zugreifen können. In Kanada ist staatlich geförderte Vorsorge mit freier Kapitalverwendung deutlich beliebter als solche, bei denen man vor Rentenbeginn nicht über seine Ersparnisse verfügen kann.
Auch in der Rentenphase sind höhere Renditen und Flexibilität Trumpf, wie eine aktuelle Umfrage des Flossbach von Storch Research Institute zeigt. Mehr als die Hälfte der Befragten ist bereit, eine schwankende Rente in Kauf zu nehmen, sofern diese im Gegenzug höhere Renditen bietet. Und nur rund ein Drittel der Befragten würde das bis zum Alter von 65 Jahren privat angesparte Kapital vollständig in eine lebenslange Rente umwandeln. Ein weiteres Drittel bevorzugt eine vollständige Kapitalauszahlung mit 65 Jahren. Das verbleibende Drittel würde eine Kombination aus lebenslanger Rente und Kapital wählen.
3. Sparpläne und fondsgebundene Versicherungen
Fondssparpläne und fondsgebundene Lebensversicherungen erlauben bereits heute höhere Renditen. Die Ersparnisse werden überwiegend am Kapitalmarkt investiert, der langfristig höhere Ertragschancen als ein Sparbuch verspricht. Im Gegenzug haben die Produkte kein festes Renditeversprechen. Zum Ende der Ansparphase einer fondsgebundenen Lebensversicherung – also zu Beginn des Ruhestands – hat der Ruheständler in spe drei Möglichkeiten. Entweder er wandelt das Kapital in eine lebenslange garantierte Rente um oder er lässt sich das Kapital vollständig auszahlen. Oftmals kann auch ein Teil des Vermögens entnommen und der Rest verrentet werden. Fondssparpläne ermöglichen eine flexiblere Gestaltung der eigenen Rentenzahlungen. Mit einem Auszahlplan kann der Ruheständler dem Angesparten regelmäßig einen festen Prozentsatz des Fondsdepots entnehmen. Zusätzlich können jederzeit größere Einmalbeträge abgerufen werden. Eine Garantie, dass die Ersparnisse bis zum Lebensende ausreichen, besteht jedoch nicht.
4. Flexibel mit dem Merton-Share
In seinem Buch „The Missing Billionaires“ beschreibt Victor Haghani eine flexible und renditestarke Kombination bestehender Altersvorsorgeprodukte. Er empfiehlt vor allem auf die „richtige“ Aufteilung der Ersparnisse zu achten, damit einzelne schlechte (Investment-)Entscheidungen den Sparer nicht ruinieren. Als warnendes Beispiel verweist er auf die Erben von Cornelius Vanderbilt, dem einstmals reichsten Menschen der Welt, die dessen Vermögen innerhalb von 70 Jahren durchbrachten. Haghani schlägt vor, Ersparnisse zu bilden und zwischen einem globalen Aktienportfolio und Anleihen aufzuteilen. Zudem sollen die Anleger den Aktienanteil der persönlichen Risikotoleranz und stets auch der Marktsituation anpassen. Dafür schlägt er den „Merton-Share“ vor, der die erwartete Aktienrendite ins Verhältnis zu ihrer Varianz sowie zur persönlichen Risikoaversion setzt. (1) Der in Aktien investierte Teil des Portfolios verändert sich somit ständig über den Anlagezeitraum. Der Aktienanteil ist damit – anders als in in Life-Cycle-Modellen oder gängigen Faustformeln (2) – vom Alter unabhängig. Im Ruhestand werden die Ersparnisse zu ca. 30 Prozent für eine lebenslange Rente verwendet, welche Altersarmut auch bei einem langen Leben verhindert. Der Rest bleibt angelegt und kann nach Belieben – wann auch immer und für was auch immer – aufgebraucht werden. Hohe Erträge ermöglichen z.B. eine langersehnte Fernreise oder die finanzielle Unterstützung der Kinder beim Wohnungskauf. Niedrige Renditen am Kapitalmarkt senken die verfügbare „Zusatzrente“, so dass die Kreuzfahrt in diesem Fall ausfallen muss.
5. Eine Gesellschaft von Kapitalanlegern
Angesichts steigender Lebenserwartung ist das klassische Sparbuch für die Altersvorsorge keine gute Option mehr, da die Zinsen unter der Inflationsrate liegen und die Ersparnisse so dahinschmelzen. Wer nicht bis ins hohe Alter arbeiten möchte und trotzdem Rücklagen haben will, muss die Kaufkraft seiner privaten Ersparnisse erhalten, was derzeit nur am Kapitalmarkt möglich ist. Um ein (sehr) langes Leben ohne Angst vor Altersarmut genießen zu können, sollte man früh mit dem privaten kapitalgedeckten Sparen beginnen und bei Renteneintritt einen Teil seiner Ersparnisse in eine lebenslange Rente umwandeln. Für diese Absicherung muss man zwar auf Rendite verzichten, erhält aber eine lebenslange Rentengarantie. Wählt man diese garantierte Rente bescheiden, dann kann ein großer Teil der Ersparnisse auch im Alter am Kapitalmarkt angelegt werden und mehr Kapital zur Erfüllung von persönlichen Wünschen genutzt werden.
Eine breite Beteiligung der Bevölkerung am Kapitalmarkt würde ein gemeinsames Interesse von Gesellschaft und Politik an einer wachstumsfreundlichen Wirtschaftspolitik schaffen. So rückte Donald Trump in den USA auch deshalb im Frühjahr 2025 teilweise wieder von seiner protektionistischen Zollpolitik ab, weil die Aktien- und Anleihekurse einbrachen und damit rund 40 Billionen US-Dollar an privaten amerikanischen Ersparnissen für die Altersvorsorge gefährdet waren. Ein solcher von der Stabilität der Alterssicherung ausgehender Druck hin zu einer wachstumsorientierten Politik besteht in Deutschland bislang nicht.
(1) Merton-Share = Aktienrendite / (Risikoaversion * Varianz der Aktienrendite)
(2) Eine übliche Faustformel lautet „Aktienanteil in Prozent = 100 – aktuelles Lebensalter des Sparers
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Mit besten Grüßen
– ppa. Herbert Diem –
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